Ausweitung sachgrundloser Befristung

Als Mitglied des Bundesvorstands der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) lehne ich die von der Bundesregierung geplante Ausweitung der sachgrundlosen Befristung entschieden ab, denn sie ist der falsche Weg.

Die Pläne, sachgrundlose Befristungen künftig für bis zu 48 Monate mit bis zu sechs Verlängerungen zu ermöglichen, bedeuten aus meiner Sicht einen massiven Rückschritt für die Rechte von Beschäftigten und stehen im klaren Widerspruch zu dem Ziel, gute und sichere Arbeit zu fördern.


Ich spreche hier nicht nur aus politischer Überzeugung, sondern auch aus eigener Erfahrung, denn ich arbeite selbst seit mehreren Jahren immer wieder sachgrundlos befristet.

Gerade hier im Osten ist dieses Modell sehr verbreitet, und meist bekommt man von den Arbeitgebern erst gar kein anderes Angebot, sodass einem trotz dauerhaftem Bedarf an der eigenen Arbeitskraft die Unsicherheit einer Kettenbefristung bleibt.


Wer über Jahre hinweg ohne sachlichen Grund von Vertrag zu Vertrag geschickt werden kann, lebt dauerhaft in Unsicherheit, und das erschwert Familiengründung, Wohnungs- und Lebensplanung und schwächt die Bindung an den Betrieb. Ich bin überzeugt: Beschäftigte brauchen Perspektiven und keine Kettenbefristungen.


Sachgrundlose Befristungen sollten ursprünglich Arbeitgebern nur in Ausnahmefällen Flexibilität ermöglichen, in der Praxis sind sie jedoch vielfach zum Standardinstrument geworden, obwohl vielerorts ein dauerhafter Personalbedarf besteht, wie ich aus eigener beruflicher Erfahrung nur bestätigen kann.

Die nun geplante Ausweitung würde diese Entwicklung aus meiner Sicht weiter verstärken und das unbefristete Arbeitsverhältnis als Regelfall zusätzlich aushöhlen.


Hinzu kommt, dass die geplanten Änderungen in der Bevölkerung auf erhebliche Skepsis stoßen, denn eine aktuelle repräsentative Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger die Ausweitung sachgrundloser Befristungen ablehnt.


Ich fordere stattdessen eine Stärkung sicherer Beschäftigung, denn das unbefristete Arbeitsverhältnis muss die Regel bleiben. Sachgrundlose Befristungen gehören meiner Überzeugung nach nicht ausgeweitet, sondern schrittweise abgeschafft, und Unternehmen, die dauerhaft Personal benötigen, müssen auch dauerhaft Beschäftigung anbieten, statt Beschäftigte wie mich Jahr für Jahr in der Warteschleife zu lassen.


Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind Verlässlichkeit und gute Arbeitsbedingungen entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Wirtschaft, denn wer Beschäftigte gewinnen und halten will, setzt auf Sicherheit, Qualifizierung und Mitbestimmung und nicht auf längere Unsicherheit durch sachgrundlose Befristungen.