Vielfalt ist unsere Stärke: Für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt gegen Hass und Hetze

Der Migra-Streik migrantischer Gewerbetreibender in Magdeburg hat ein wichtiges und sichtbares Zeichen gesetzt. Menschen haben ihre Geschäfte bewusst für einige Stunden geschlossen, um deutlich zu machen: Eine freie und demokratische Gesellschaft ist nicht selbstverständlich. Sie braucht Menschen, die für Würde, Gleichberechtigung und Respekt einstehen.

Die Botschaft dieser Aktion verdient unsere uneingeschränkte Unterstützung. Denn Vielfalt ist kein Problem, das verwaltet werden muss. Vielfalt ist eine Stärke für unsere Stadt, unser Land und unsere gemeinsame Zukunft.

Menschen mit Einwanderungsgeschichte prägen Magdeburg und Sachsen-Anhalt jeden Tag. Sie führen Geschäfte, schaffen Arbeitsplätze, kümmern sich in der Pflege um ältere und kranke Menschen, arbeiten in Krankenhäusern und Arztpraxen, transportieren Waren, bauen Häuser, unterrichten Kinder und engagieren sich in Vereinen, Nachbarschaften und Initiativen. Sie sind Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn. Sie gehören zu unserer Gesellschaft.

Gerade in Bereichen wie Gesundheit, Pflege, Logistik, Handwerk und Gastronomie wird sichtbar, wie unverzichtbar Arbeitskräfte aus anderen Ländern für unser Gemeinwesen sind. Sachsen-Anhalt braucht Fachkräfte – heute und in den kommenden Jahren noch stärker. Wer über den Fachkräftemangel spricht, muss daher auch über gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne, sichere Aufenthalts- und Lebensperspektiven sowie eine echte Willkommenskultur sprechen.

Es darf nicht sein, dass Menschen, die hier arbeiten, Steuern zahlen, Familien gründen und Verantwortung übernehmen, zugleich erleben müssen, dass über ihre Zugehörigkeit verhandelt wird. Kein Mensch darf danach bewertet werden, welchen wirtschaftlichen Nutzen er oder sie gerade erbringt. Die Würde des Menschen steht nicht unter einem Leistungsvorbehalt. Sie gilt immer und für alle.

Die Erfahrungen, Sprachen, kulturellen Prägungen und Lebenswege unterschiedlicher Menschen bereichern unser Zusammenleben. Sie eröffnen neue Perspektiven, stärken Kreativität und Zusammenhalt und helfen uns, gesellschaftliche Herausforderungen besser zu verstehen und gemeinsam zu lösen. Wo Menschen sich respektiert und sicher fühlen, entstehen Vertrauen, Engagement und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Der Migra-Streik hat diese Realität sichtbar gemacht. Wenn migrantische Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Türen schließen, wird deutlich, welche Lücke ihr Fehlen hinterlassen würde. Diese Aktion sollte deshalb ein Anstoß für weitere Unternehmen im Land sein, Haltung zu zeigen. Wer auf Beschäftigte aus anderen Ländern angewiesen ist, wer von ihrer Arbeit, ihrer Kompetenz und ihrem Engagement profitiert, muss sich auch öffentlich gegen Rassismus, Diskriminierung und rechte Hetze stellen.

Ein weltoffenes Sachsen-Anhalt ist nicht nur eine gesellschaftspolitische Haltung. Es ist eine Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, für soziale Sicherheit und für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wir müssen Menschen nicht nur zum Arbeiten gewinnen. Wir müssen ihnen zeigen, dass sie hier willkommen sind, dass sie gleiche Rechte haben und dass sie ihre Zukunft gemeinsam mit uns gestalten können.

Dafür brauchen wir Solidarität, klare Haltung und eine Politik, die niemanden zurücklässt. Magdeburg und Sachsen-Anhalt können nur dann stark sein, wenn alle Menschen, die hier leben, arbeiten und sich engagieren, ohne Angst dazugehören können.